30.04.07, 17:28 | | FOCUS-Reportage

Hausbesuch beim Hexer

Nicht nur in der Walpurgisnacht ist der Glaube an die Magie größer denn je. Alles nur Hokuspokus? Eine Reportage über einen Hohepriester, eine Hexenlehrerin – und über Satans Freundin.

„Hohepriester“ Maran in einem Wald bei Essen

Um die Gretchenfrage vorneweg zu beantworten: Nein, ich glaube nicht an Hexerei. Zumindest war das der Stand, als mich die Ressortleitung auf die Suche nach den „neuen Hexen“ schickte. Inzwischen, ich gebe es zu, wächst der Zweifel.

Erste Station: Ein schlichtes Mehrparteienhaus am Stadtrand von Frankfurt am Main. Ich treffe Monika Molitor, Leiterin eines Junghexentreffs, und zwei ihrer Schülerinnen. Alle sind sehr nett und sehr bemüht, mir die Hintergründe von Wicca, Religion der meisten Hexen, nahe zu bringen. „Tu, was du willst und schade niemandem“, lautet der Wicca‘sche Imperativ. Als ich, zurück in München, aus dem Zug steige, kann ich mein rechtes Bein nur noch unter Schmerzen bewegen, ich hinke nach Hause. Am nächsten Tag sind die Beschwerden verschwunden. Natürlich nur ein Zufall.

Fieber, das die Karten verraten

Hexer Maran glaubt nicht an Zufälle. Für den Hohepriester aus Essen, im Alltag Rechnungsprüfer, hängt alles zusammen. Doch wer im Buch der Zukunft lesen kann, darf eingreifen und sein Schicksal ändern. Mir legt der Hexer zu Demonstrationszwecken die Tarotkarten. Alles wunderbar, nur nicht im gesundheitlichen Bereich. Ich solle mich mehr schonen, empfiehlt er, da sei etwas „im Anrücken“. Jaja, ich nicke lässig. Und liege eine Woche später mit fast 40 Grad Fieber und grippalem Infekt flach. Zum ersten Mal seit etwa zehn Jahren. Einen Tag vor Ausbruch der Krankheit hatte der fürsorgliche Maran mir noch Kräutertee-Rezepte gemailt, „nur so, für alle Fälle“. Zufall?

Luzifers Depandance in Berlin

Eine Schwarzmagierin zu besuchen, wollte ich eigentlich vermeiden. Doch mein Ressortleiter ist Anhänger von Ottfried Preußlers „Kleiner Hexe“, und darin steht geschrieben, dass nur eine böse Hexe eine gute Hexe ist. Also besuche ich in Berlin Bärbel Hornbogen alias Levinia. Ein Amulett gab mir Hexenmeister Maran mit, „ungeschützt gehen Sie mir nicht dahin“, hatte er gesagt. Denn Levinia wurde, erzählt sie sehr ernst, schon mit sieben Jahren vom Teufel erwählt, ihn beschwört sie mit der Haut einer schwarzen Mamba bei ihren schwarzmagischen Ritualen. In ihrer Wohnung gibt es keine Computer, die böse Energie in ihr würde alles Technische zerstören, behauptet die Hexe. Als meine Ressortleiterin später die Bildunterschrift zu Levinias Foto öffnen will, stürzt ihr Rechner ab, die Festplatte muss ausgetauscht werden. Mein Mac verweigert erstmalig den Druckbefehl. Wirklich nur ein Zufall?

Zum Schutz Salbei angepflanzt

Inzwischen trage ich das silberne Amulett Marans ganz gerne, und in meinem Garten wächst Salbei, von Hexern gerne eingesetzt als Schutzräucherung. Wer ohne Aberglaube ist, der werfe den ersten Stein...


Quelle: Von FOCUS-Redakteurin Beate Strobel

1.5.07 02:33

bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Ute (1.5.07 19:29)
Was man nicht kennt ..soll man nicht verspotten....und was nicht sein darf...kann doch sein....wenn es auch viele anders sehen....
Ein bissele Hexe ist immer gut...glaubt Ute


io/ich :-) (2.5.07 16:48)
@Ute
ja in einer Weise schon...aber alles was so mit Luzifer zu tun hat..*hmm...


Rita, Berlin (4.9.09 12:07)
Also, ich finde das cool! Keine Gottheit macht sich seine Religion selbst. Das tun immer nur die Menschen selbst. Ich sehe keinen Unterschied zwischen Hexen und anderen Geistlichen. Wichtig ist, dass sie bereit sind, anderen Menschen Gutes zu tun. Gerade von anderen Geistlichen hört man oft auch nichts Gutes. Also, mal schön tolerant sein. Grüße, Rita


io/ich:-) (5.9.09 12:14)
@Rita
Du hast schon recht